Wie soll sich eine Dame die Zeit vertreiben, während die Herren über Politik und ähnlich interessante Themen sprechen? Nun ja, unsereins hat dekorativ da zu sitzen. Das ist aber auf die Dauer eher langweilig, also braucht frau eine Beschäftigung.
Warum also nicht Sticken?
Zum einen ist das eine wunderbare Beschäftigung, die auch noch sehr elegant aussieht, und man hat die Möglichkeit, den ganzen Gesprächen zuzuhören, ohne des Lauschens bezichtigt zu werden.
Man ist ja schließlich nur eine unschuldige Frau, die stickt…
Außerdem lassen sich mit der Stickerei jede Menge nützlicher Dinge erstellen. Beutel zum Beispiel. Bei Gewandung, die keinerlei Hosentaschen hat, benötigt jeder irgendwelche Verstauungsmöglichkeiten…
Warum also diese nicht schön verzieren? Oder vielleicht gar ein Banner mit aufgestickten Wappen fertigen?
Wahrscheinlich kennt jeder den üblichen Kreuzstich, den man schon in der Schule lernt und der – mal ehrlich – auf dauer fürchterlich langweilig ist. Sicherlich gibt es auch da aufwendige und schöne Motive, aber es ist und bleibt eben “nur” Kreuzstich.
Im Mittelalter waren für Flächendeckende Stickereien andere Stiche üblich. Stiche, mit denen man verhältnismäßig schnell Flächen füllen kann, die toll aussehen und mit denen man auch ohne teure Vorlagen Muster und Motive Sticken kann. Da bei allen Stickereien stets darauf geachtet wurde, möglichste wenig vom kostbaren Faden, der meist aus Seide oder gar aus edlen Metallen war, zu verbrauchen. Die Methode, wie man das Garn spart, ist also bei allen Techniken die gleiche (ich erkläre sie aber bei den entsprechenden Stellen genauer)
Die Stichtechniken, die ich hier beschreibe sind allesamt für das Mittelalter belegt!
Bayeux Stich
Wohl jeder kennt den Teppich von Bayeux. Die hier verwendete Stichtechnik lässt sich in 4 Schritte unterteilen:
Schritt 1: Point de tige
Hierbei wird die Form mit einem Stielstich oder Rückstich umrandet. Das verwendete Garn hat eine andere Farbe, als bei den übrigen Stichen.
Schritt 2: Point lancé
Die Form wird nun mit parallelen Stichen ausgefüllt. Diese Grundstiche führen grundsätzlich
über die größte Distanz der zu füllenden Fläche. Im Gegensatz zu einem Plattstich, wird die Nadel nicht auf der Rückseite der Arbeit zurück geführt, man sticht vielmehr knapp neben der Einstichstelle wieder raus und legt das Garn in entgegengesetzter Richtung, eng neben den ersten Stich, zurück.
Schritt 3: Barettes
Die zuvor gemachten Stiche sind relativ lose und müssen befestigt werden. Zu diesem Zweck wird in gleichmäßigem Abstand (3-5 mm) das Garn im rechten Winkel über die voher ausgeführten Füllstiche gelegt. Wie zuvor ist auch hier die Ein- und Ausstichstelle auf der gleichen Seite des Musters.
Schritt 4: Les Picots
Noch immer ist die Stickerei eine ziemlich lose Angelegenheit. Also werden die Barettes mit Picots festgenäht. Auch diese Stiche sollten einen gleichmäßigen Abstand von 3-5 mm zueinander haben. (Ein Picot ein kleiner Stich, der den Barettes auf dem Stoff festnäht.)
Sobald ich eine neue Stickerei in dieser Technik beginne, werde ich sie detailiert und mit Fotos dokumentieren. Bis dahin hoffe ich, dass ihr mit meinen Beschreibungen etwas anfangen könnt.
LG
Katharina
- Teil 1: Bayeux Stich
- Teil 2: Klosterstich (in Arbeit)
- Teil 3: Anlegetechnik (in Arbeit)
- Teil 4: Ziegelstich (in Arbeit)
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