11 Sep

Ganz ehrlich, wer hat sich nicht schon mal die Frage gestellt, ob man mit seinem Hobby nicht Geld verdienen könnte. Ja, ich gehöre auch dazu. Die Frage, dass man damit Geld verdienen kann, kann man ganz klar bejahen, die Frage, die man sich stellen muss, ist ob man das wirklich will und ob man genug zum Leben damit verdient.
Der Schritt das Hobby zum Beruf zu machen ist ein gewagter Schritt. Was jetzt noch Spaß macht kann sehr schnell zum stupiden Alltagstrott werden. Dann hat man nicht nur die Lust am Hobby verloren, man steht auch unter Umständen vor dem Ruin. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich grundsätzlich davon abrate diesen Schritt zu gehen, es sollten nur einige Überlegungen davor gemacht werden.

Betrachten wir zunächst ein paar Geschäftsmodelle:

Mit Cons Geld verdienen
Dies ist eine sehr heikle Angelegenheit. Gehen wir einmal davon aus, man würde sich mit 1200 Euro im Monat zufrieden geben. Kein Problem, dann macht man ein selbstverpfleger Con für 100 Teilnehmer. 80 Spieler zu je 60 Euro, 20 NSCs zu je 20 Euro. Macht 5200 Euro Budget. Da man das ganze gewerblich betreiben muss, gehen davon schon mal knapp 1000 Euro an Mehrwertsteuer drauf. Ein halbwegs anständiges Gelände kostet um die 15 Euro pro Teilnehmer, damit bleibt (abzüglich der eigenen Einnahmen) ein Rest von 1500 Euro. Klingt im ersten Moment nach viel, ist es aber nicht. Von diesen 1500 Euro müssen Dinge wie Fundus, Pyros, Aufbauten, Benzingeld und Taschengeld für die anderen SLs (die ja sicher nicht ehrenamtlich arbeiten, sofern einer seinen Lebensunterhalt mit der Veranstaltung verdient) bezahlt werden.
Das ganze kann funktionieren. Aber, nach dieser Rechnung müsste man pro Jahr zwölf solche Veranstaltungen machen, die alle Ausgebucht sind. Damit sie gut besucht bleiben, muss eine gute Qualität der Veranstaltung dauerhaft erhalten sein. Man muss sich immer wieder einen neuen, spannenden Plot einfallen lassen und wer schon mal eine Con veranstaltet hat weiß, wie viel Stress das bedeuten kann. Es gibt Studenten, die sich auf diese Art und Weise ihr Studium mitfinanziert haben aber ich glaube nicht, dass dieses Geschäftsmodell jemand dauerhaft ernähren kann.
Ich habe auch schon öfter von der Idee gehört LARP als Seminar für Manager anzubieten, mir ist aber kein Fall bekannt, in dem dies erfolgreich war oder jemals stattgefunden hat.



Eine Dienstleistung anbieten

Ob als Barde, Koch, Schmied etc. kann zuweilen ein netter Nebenverdienst sein. Ich bezweifle, dass man mit diesem Konzept allein mit LARP über die Runden kommt. Hinzu kommt, dass man immer davon abhängig ist gebucht zu werden und dann natürlich sein Handwerk so zu beherrschen, dass man sein Geld wirklich wert ist. Die Larp Welt ist recht klein und es spricht sich schnell herum, wenn man seine versprochene Leistung nicht erbringt. Hierzu sage ich, als Nebenverdienst zum geregelten Einkommen toll, als einzige Einnahmequelle sehr gewagt.

Sachen Verkaufen
Hier ist also meiner Meinung nach das erfolgreichste und vielversprechendste Modell um mit Larp Geld zu verdienen. Natürlich wird man nicht von heut auf morgen reich und erfolgreich damit, aber mit Fleiß und harter Arbeit kann man so seinen Lebensunterhalt bestreiten. Es gibt unzählige Händler, die keine eigenen Produkte haben und reine Wiederverkäufer sind. Trotz der hohen Anzahl ist hier aber immer noch Potential sich erfolgreich am Markt zu etablieren. Zum einen gibt es eine große Zahl an Shops, bei denen man, wenn überhaupt, wegen dem Umgang mit dem Kunden oder dem Service, der Lieferzeit etc. nur einmal Einkauft. Kompetente, freundliche Beratung sucht man leider oft vergebens. Zum anderen kann man sich auf eine Nische spezialisieren. Nur so als Idee z.B. ein Paladin-Shop, der alles für den Paladin anbietet. Hier könnte man neben den üblichen Rüstungen und Gewändern auch Dinge finden, an die man sonst nur sehr schwer rankommt, weil kein anderer Shop sie im Sortiment hat, die aber wunderbar zu einem Paladincharakter passen. Neben dem reinen Handel gibt es natürlich auch die Hersteller. Alles Mögliche kann man gut an den Mann bringen. Larp-Waffen, Gewandung, Rüstung, Taschen und Beutel usw. Auch hier ist noch viel Potential für ein erfolgreiches Gewerbe. Voraussetzung ist auch wieder die Qualität. Niemand wird auf Dauer minderwertige Schwerter kaufen. Wenn man sich aber als Ziel setzt, die besten Wurfäxte zu bauen und nebenbei ein ansehnliches Sortiment an anderen Äxten bietet ist man auf dem richtigen Weg. Auch hier hat man wieder mit einer Spezialisierung eine größere Aussicht auf Erfolg, da man sich von der etablierten Masse abhebt.


Ich habe selbst vor einigen Jahren einen relativ erfolgreichen Shop betrieben. Ich habe ihn allerdings Aufgegeben, als ich wegen dem Shop fast keine Zeit mehr für meine Ausbildung übrig hatte. Es war damals keine leichte Entscheidung, aber mir war im Endeffekt das Risiko zu groß irgendwann nur mit einem Schulabschluss ohne Ausbildung dazustehen, falls der Shop sich irgendwann nicht mehr rentiert.
Ich hoffe, ich habe mit diesem Artikel nicht allzu viele Träume zerstört. Es gibt immer Ausnahmen, die erfolgreich sind, aber man muss sich klar sein, dass dies immer mit viel Arbeit verbunden ist.

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