5 Mrz

Fabian Griesler war so freundlich mir die folgende Anleitung zum Basteln von Gothischen Beinschienen zu überlassen. Viel Spaß beim Nachbauen!

Gotische Beinzeuge gibts einige, in ihrer Gestaltung seind diese allerdings besonders im Bereich des oberen Oberschenkels unterschiedlich komplex. Einige hören recht tief einfach auf, und überlassen den Schutz weiter oben Brustpanzer und Tassets, das Beinzeig des Herzog Sigismund hingegen zieht sich unter Zuhilfenahme mehrerer Lamellen extrem hoch.

Von der Form her gefiel mir letzteres am besten, daher habe ich mich entschieden, dieses in weniger glitzernd und mit weniger Gold, aber von der Form her ähnlich zu basteln.

Die Bilder folgen unregelmäßig, da ich arbeits- und Studientechnisch mal 2 Tage am Stück arbeite, und mal einige Wochen zu fast nix komme.

Dieser Blog soll auch dem Austausch mit interessierten dienen, ich mache also auch gerne Detailfotos und beantworte Fragen, soweit möglich. Allerdings bin ich kein Profi, und es gibt bestimmt immer einen Weg, die Sachen besser zu machen. Daher bin ich für Tips und Anregungen immer offen und dankbar.


Einleitung
1 Das Original
2 Die Werkzeuge
3 Bau
3.1 Ran an den Speck
3.2 Hauptplatte Oberschenkel
3.3 Zierstreifen


1 Das Original


Man kann das Beinzeug konstruktionstechnisch in drei Teile teilen: Unterschenkel, Knie + Geschübe, Oberschenkel + Geschübe. Da die Unterschenkel extrem schwer sind, und der Träger zunächst die Oberschenkel haben wollte, habe ich auch damit begonnen


2 Die Werkzeuge

Als Werkzeug dienen mir hauptsächlich zweckentfremdete vorhandene Werkzeuge, einige habe ich mir aber auch gekauft.


Von rechts nach links: Abgerundeter Fäustel auf langem Stiel 1000g, abgerundeter Schlosserhammer mit abgerundeter Finne 500g, Schlosserhammer 400g, Kreuzschweifhammer 400g, Kugelhammer 200g (könnte ruhig schwerer sein), Schlosserhammer 100g


Von oben nach unten: Körner, kleiner Meißel, großer Meißel mit abgerundeter Spitze, Bördeleisen 30mm


Normaler Schraubstock, improvisierter Kugelamboss aus so nem Ding für Gartenzäune, Halber Baumstumpf mit großem Meißel, zwei groben Aushöhlungen, Loch für Bördeleisen (andere Seite), verschieden großen Rinnen (andere Seite)


Grob von unten nach oben: Handschuhe, Schutzbrille (!!!), Gehörschutz (!!!), Schlüsselfeilen, Eisenfeile, Beißzangen in stumpf und scharf, Kombizange, Spitzzange, Excenterschleifer, Stichsäge, Bohrschrauber

Ein Bunsenbrenner erleichtert manche Sachen ungemein, ist aber nicht zwingend nötig.

Nicht zu sehen, aber unheimlich hilfreich: Die dicke Lederschürze meines Bruders, irgendwie sind auf Oberschenkelhöhe immer scharfkantige oder heiße Dinge.


3 Bau
3.1 Ran an den Speck

Zuerst benötigen wir Ausgangsmaterial und Muster. Für die Muster eigenen sich dünne Wellpappen und normale Pappen. Als Ausgangsmaterial nehmen wir 1,5mm Blech, das kostet ca 22 Euro pro Tafel (1×2m), also knapp 40 Euro inklusive MWSt und Lieferung. Das klingt nach wenig und sieht auf dem Laster unspektakulär aus, nimmt aber im Keller mehr Platz weg, als man denkt.


Die groben Formen schneiden wir aus Wellpappe aus und passen sie mit Hilfe von Briefklammern an. Natürlich ist da noch einiges sehr krude, aber man kann die groben Proportionen absehen und genauere Anpassungen während des Verformungsprozesses machen.


3.2 Hauptplatte Oberschenkel

Die große Platte ist die komplexeste, da sie in sich starr ist, und daher exakt passen muss. (Gut, müssen die anderen Teile auch, aber da läßt sich im Gebrauch noch einiges durch Geschübe ausgleichen)

Vereinfacht handelt es sich um eine Halbröhre mit Mittelgrat, an der seitlich außen eine weitere Platte mit Scharnieren besfestigt ist, und die oben und unten Geschübe enthält. Da die Platte mit Riefen versteift ist, die von der großen auf die kleine Platte übergehen, werde ich die beiden Platten als ganzes fertigen, und nachträglich trennen.

Die grobe Form haben wir schon anhand der Pappe ermittelt und sägen sie aus dem Blech mit der Stichsäge (feines Metallblatt, kein Pendelhub) aus. Für die Übertragung auf das Blech lohnt sich die Investition in einen dicken Marken-Edding. Die Kanten werden mit den Feilen begradigt.


Im ersten Schritt werden erste grobe Treibarbeiten im Holzblock vorgenommen. Ich hab hier den Kugelhammer genommen, im Nachhinein hätte ich auch nach etwas Übung einen der größeren abgerundeten Hämmer nehmen können, das hab ich dann bei Bein Nummer zwei.


Nun wird weiter getrieben und gedrückt, bis man im Querschnitt die sanften Wölbungen erkennen kann, die sich an den Oberschenkel anpassen sollen.


Jetzt kommt der Mittelgrat, den wir mit Hilfe der Rinnen im Holzblock und dem stumpfen Meißel einschlagen. Anschließend wir das Ganze mit dem Schlosserhammer über dem provisorischen Kugelamboss geschlichtet, und der grobe Verlauf der Kannelierungen eingezeichnet.


Da wir jetzt die grobe Form haben, muüssen wir uns Gedanken machen, wie die Kannelierungen aussehen sollen. Diese sind nachher außen zu sehen, aber müssen von innen eingezeichnet werden. Dazu zeichnen wir diese mit einem weichen Bleistift (wegwischbar) oder einem dicken Edding (Wenn man sich sicher ist) ein. Das Muster wird auf Architektenpapier (oder dünnes Backpapier) gepauscht. Mit einem kleinen Zackenrad aus dem Stoffhandel (oder einer Stopfnadel) und einem Mousepad wird das Papier an den Linien perforiert, auf die Rückseite des Metalls geklebt und mit dem Edding nachgezogen. Wenn alles geklappt hat, sollte man jetzt ein Punktmuster auf der Rückseite haben, das man mit Edding nachziehen kann.

Nicht wundern, die folgenden Bilder sind von einem anderen Teil.

So verfahren wir jetzt mit beiden Teilen, nachdem wir sie von außen grob abgeschliffen haben, um nachher zwischen den Kannelierungen weniger zu tun zu haben. Nun legt man die Platte mit der Außenseite auf den Holzblock, und beginnt, das Linienmuster mit dem Meißel von hinten heraus zu schlagen. Dabei gilt: je kleiner der Meißel, desto tiefer, aber auch desto schiefer ;) Hier kommt es zwar nicht auf saubere Linien an, da die Linien nur als Führungshilfe dienen, aber je besser man jetzt arbeitet, desto weniger Arbeit ist es nachher.

Nach jeder Menge Hammerschläge müßte die Innenseite jetzt so…

…und die Außenseite so wie links unten aussehen:

An dieser Stelle habe ich die Stellen, die am Stärksten bearbeitet wurden, einmal mit dem Brenner angelassen, um späterer Rißbildung vorzubeugen.

Nun kommt das Bördeleisen zum Einsatz. Mit der gemeißelten Rinne als Führung arbeiten wir mit dem Schweifhammer die Täler zwischen den Graten hinein, und können die Kanten der Grate mit sanften (!!!) Schlägen schärfen. Das erfordert ein wenig Übung, also am Besten an etwas Restmetall üben. Ist man so weit, kann man alles mit grobem Papier (120 oder so) ein wenig anschleifen (Hand, Excenter, Bohrmschine – egal), dass man in den Spiegelungen (Leuchtstoffröhren sind da super) Unebenheiten und Fehler erkennen kann. Sind diese ausgemerzt, poliert man noch mal herüber, und hat fürs Erste schon ein recht ansehnliches Ergebnis.

Einen Bördel- und einen Schleifgang später, sind die Grate richtig scharfkantig.

An dieser Stelle habe ich das Ganze noch mal an die Beine des künftigen Trägers angepasst, da sich die Platten durch die Gratungen doch noch ganz gut verformt haben. Zur Hilfe habe ich einen Gummihammer genommen, mit diesem kann man auch Sachen umformen, die man nur von Hand nicht schafft, hinterläßt aber keine Dellen im Material.

3.3 Zierstreifen

Den oberen Rand soll ein Zierstreifen aus Kupfer mit Bördelung zieren. Dazu schneiden wir erst mal mit der Stichsäge einen ca. 2 cm breiten Streifen Kupferblech mit der Stichsäge aus, entgraten und säubern ihn.

Dann entscheiden wir, wie groß die Bördelung sein wird, ich habe dafür ca. die halbe Breite des Streifens gewählt. Mit dem breiten Meißel schlagen wir jetzt diagonale Linien auf die zukünftige Rückseite, also in den Teil, der nachher die Außenseite der Bördelung bildet, damit soll die Bördelung das klassische Muster eines gedrehten Seils erreichen. Da sich das Werkstück jetzt noch gut im Schraubstock einspannen läßt, habe ich schon an dieser Stelle mit einem dekorativen Bohr- und Feilmuster begonnen.

Nun beginnen wir mit Hilfe eines großen Spaltes im Holz und der abgerundeten Finne eines Schlosserhammers dem oberen Teil des Blechs ein U-förmiges Profil zu geben. Auch hier gilt: mehrere sanfte Durchgänge erzielen ein saubereres Ergebnis.

Von der Seite aus, wird die Bördelung mit einem kleinen, leichten Hammer geschlossen.

An dieser Stelle muß eine Querverformung statt finden, um Den Streifen der Form des Plattenrandes anzupassen. Ein Bunsenbrenner ist hier zwar nicht essentielle, aber die einfachste Lösung. Einfach heißmachen und mit der Zange biegen.

Wer keinen Bunsenbrenner hat, kann das Metall auch mit dem Hammer in Form bringen. Glücklicherweise müssen wir nur in eine Richtung, und zwar die einfache, biegen. Dazu wird der dekorative Teil mit dem Schweifhammer vorsichtig in seiner Länge gestreckt. dabei dehnt sich der flache Streifen seitlich, während die Bördelung gleich lang bleibt. Die Bördelung bildet somit die konkave Seite, die verzierte die konvexe.

An dieser Stelle befestigen wir den Streifen mit provisorischen Nieten (z. B. abgezwickte Dachpappenstifte), und bringen letzte Unebenheiten in Form. Anschließend kann der Streifen abgenommen und poliet werden. als Korrosionsschutz habe ich ihn mit einer dünnen Lackschicht versehen.

Nicht wundern, beim letzten Foto sind die Grate noch nicht fertig, die Reihenfolge war ab und an beim Basteln etwas chaotisch ;)

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2 Responses to “Gastratikel: Gothisches Beinzeug selber machen”
  1. Fabian Griesler sagt:

    Naja, ich heiße Fabian ;)

    Updates gibts auf larper.ning, also regelmäßig Nachschub holen

  2. Ich bewundere deine Plattnerei.

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