21 Jul

“Ich grüße euch, mein Herr, werte Dame, mein Name ist Farin Feuertanz vom fernen Feenreich Firilon. Sicherlich habt ihr schon unzählige Geschichten von meiner Heimat gehört…”

Nein, habe ich natürlich nicht… wie auch? Ich kann mir ja kaum die ganzen Länder und Landstriche von meinem eigenem Land merken… von dem Heimatlandes meines Charakters einmal ganz abgesehen. Aber trotzdem, man ist ja höflich, oder versucht selbiges ab und zu. Also lächele ich und nicke und versuche, mir einen weiteren Namen zu merken.

Seuftsen schiele ich in meinen Krug, stelle fest, dass noch genug Bier vorhanden ist, und lehne mich zurück, um die Geschichte vom Feenreich Firilon zu hören.

Nach den ersten paar Sätzen bin ich überrascht… etwa fünf Augenblicke später vom Landeshintergrund mitgerissen. Schließlich lausche ich gebannt der unglaublich detailierten Geschichte, fiebere bei den spannenden Ereignisse der letzten hundert Jahren mit. Den Rest des Abends verbringe ich mit einem weiteren Krug Bier (oder zwei…oder drei) und unzähligen Anekdoten über Farins Heimat, die mir Lachtränen in die Augen treiben.
Schließlich – es graut schon der Morgen und ich habe nicht das Gefühl, dass Farin mir auch nur einen Bruchteil von seinem Land erzählt hat – habe ich das Land zu lieben gelernt. Und so frage ich begeisterd, wo denn Firilon liegt.

“Nun…”, meint Farin Feuertanz daraufhin ein wenig kleinlaut. “…weit entfernt… nicht in den Mittel- oder Südlanden und auch nicht auf Mythodea…”

Im ersten Moment bin ich ein wenig enttäuscht. Nicht etwa, weil das wunderbare Reich Firilon nicht auf einem der großen Kontinenten liegt, sondern wegen seiner Reaktion.

Oh ich kenne schon so viele Diskussionen, warum Länder, die nicht zu einem dieser drei Kontinente gehören, eigentlich nicht existieren sollten und ohnehin nur kindische Spielereien sind (eine Behauptung, die ich gerade bei unserem Hobby ein wenig… gewagt finde). Diese drei Kontinente bieten schließlich Platz genug für jeden, so sagt man, jeder kann sich innerhalb dieser Grenzen frei entfalten, erzählt man sich.

Seltsam… ich bin immer davon ausgegangen, dass Fantasie keine Grenzen hat… Warum müssen wir uns also Grenzen errichten? Nur um die Wichtigkeit des eigenen Landstrichens weiter hervorzuheben und zu sichern?

Ein eigenes Land auf einen dieser drei Kontinente, ist zu einem Statussymbol geworden. Einem Symbol, das irgendwie schwerer zu wiegen scheint, als detailverliebte Arbeit, schöne Geschichten und ein stimmiger Hintergrund.
Als mir einmal erzählt wurde “Ihr kennt doch diesen Fisch, der auf der Karte der Mittellande im Meer eingezeichnet ist? Nun… unser Land liegt darunter verborgen” musste ich schmunzeln, denn die Idee ist gut… aber traurig, da sie auch zeigt, wie wichtig es geworden ist, ein Teil der streng reglimentierten Karten zu sein.

Und auch, wenn ich dadurch nur einen weiteren begrenzten Ort schaffe, so gefällt mir der Gedanke eines “Tausend-Insel-Reiches” doch ausgesprochen gut…. ein Ort für all die Länder, die in den Mittel- und Südlanden und auch in Mythodea keinen Platz finden. Ein Ort mit so vielen, so unzähligen Inseln, dass es unmöglich ist, sie alle zu kennen….

Denn, meine Lieben, Länder sprießen in unserer Welt wie Pilze aus dem Boden, vereinzelt oder in Scharen, versteckt oder offen, klein oder groß. Bei seinem Weg durch die Larp-Welt muss ebenso wie bei einem Waldspaziergang Acht geben, nicht versehentlich darauf zu treten, denn es sind wirklich wunderschöne Exemplare darunter.

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One Response to “Kathis wunderbare Welt des Larp – Von Pilzen und Ländern”
  1. alienD sagt:

    Ist es nicht des Larpers größte Freude, den eigenen Hintergrund völlig frei bis ins abstruseste Detail zu gestalten?
    Natürlich schränkt es dann ein, sich in das Konzept einer vollständig festgelegten Spielwelt zu pressen.
    Ich persönlich finde es selten von Belang, wo genau ein Land jetzt eigentlich liegt, aber es ist immer schöner, wenn es dafür einen Notfallplan gibt, damit man selber nicht (wie im Artikel) aus dem Konzept geworfen wird.
    Was mir öfter begegnet sind Länder, die ausschließlich durch Magie (Portale o.ä.) erreichbar sind. Erscheint mir eher abgegriffen…
    Eine andere Überlegung ist doch, dem eigenen Charakter kein überragendes Geografiewissen zuzugestehen. Nur weil er in der Wurzelschule in Geschichte aufgepasst hat, kann er den Erdkundeunterricht ja trotzdem geschwänzt haben. Ein Überblick über die zahllosen Stationen, die der Chara auf seinem Weg passiert hat, sollte doch als Wegbeschreibung reichen, oder?
    Wenn man wirklich der heimatlichen Tourismusindustrie helfen will, kann man dem Gegenüber ja auch schnell eine Karte aus dem Gedächtnis zeichnen. Anhand derer wird man das Land stets finden, sollte man Gelegenheit und Lust zu einem Besuch haben.
    Danke für den Artikel, gibt einem selbst Grund zum Nachdenken!

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